Wenn Kinder wieder träumen können:
Strassenkinder schaffen den Sprung in die Zirkusmanege und bereiten sich mit Hilfe von Gardi Hutter auf die erste Zirkustournee in die Schweiz vor.



Vom Strassenkind aus den trostlosen Vororten von St. Petersburg in die Manege des einzigen sozialen Zirkusprojektes in Russland – Dania’s Leben hat sich dramatisch verändert! Noch vor ein paar Monaten lungerte er in Metrostationen herum, bettelte und hatte kein Zuhause. Jetzt trainiert er täglich mehrere Stunden um Zirkusakrobat zu werden und ist provisorisch in einem Kinderheim aufgenommen. Dania ist 6 Jahre alt, Halbwaise und hat einen grossen Traum: er will diesen Herbst mit dem Zirkus UPSALA auf Tournee in die Schweiz fahren! Doch bis dahin ist noch ein langer Weg: nur die besten Kinder dürfen mitkommen! Mit einem Vater im Gefängnis ist es schwierig, ein Visum zu erhalten und wenn sich seine Wohnsituation verändert, ist es fraglich, ob er weiter bei UPSALA trainieren kann. Ein Wunsch wird sich diesen Sommer für Dania aber auf jeden Fall erfüllen: er wird sein Vorbild Gardi Hutter kennen lernen und mit ihr zusammen trainieren.
Armut, fehlende Perspektiven und Drogenabhängigkeit führen zunehmend zu einer Überforderung der Eltern und zum Zerfall der Familien: Kinder werden vernachlässigt, misshandelt und sich selbst überlassen. Als einziger Ausweg sehen viele nur die Flucht auf die Strasse, wo sie Gefahr laufen, in die Kleinkriminalität abzurutschen.
Der Zirkus UPSALA nimmt sich als eine der wenigen Organisationen dieser Kinder an. Durch eine Kombination von Zirkusarbeit und psychologischer Betreuung kommen sie vom Elend der Strassen weg und lernen im Rahmen der Zirkusgemeinde Verantwortung und Sozialkompetenz zu übernehmen. Ziel ist die Reintegration, mit regulärem Schulbesuch und geordneter Wohnsituation. Für viele stellt der Zirkus eine Art Ersatzfamilie dar. Fangen Kinder wieder an zu Träumen und entdecken neue Perspektiven, ist der erste Schritt zur Reintegration geschafft.
Im Rahmen des World Parliament of Clowns wurde die Schweizer Clownin Gardi Hutter auf den Zirkus UPSALA aufmerksam und ist begeistert von Larisa, der Zirkusdirektorin und ihrem Team. Als Mentorin besucht sie diesen Sommer den Zirkus in St. Petersburg, gibt Workshops und hilft bei den Vorbereitungen für die erste Tournee in die Schweiz mit.
Im Film treffen zwei gegensätzliche Welten aufeinander: der graue, hoffnungslose Alltag der Strassenkinder, wo jeder Tag ein neuer Kampf ums Überleben darstellt und die farbenfrohe, pulsierende Welt des Zirkus UPSALA.
Wir begleiten drei Jugendliche, die unterschiedlich lang beim Zirkus mitmachen und halten ihre Entwicklung fest. Schaffen sie den Ausstieg und können sie sich wieder in die regulären Strukturen einfügen? Der Höhepunkt stellt die Begegnungmit Gardi Hutter und die Tournee in die Schweiz dar.
Der Film gliedert sich in drei Teile:
Wenn die Kinder neu zum Zirkus kommen, sind sie oft aggressiv und verhalten sich asozial. Während des ersten Jahres machen sie erstaunliche Fortschritte, sowohl was ihre akrobatischen, als auch sozialen Fähigkeiten betrifft. Allerdings gibt es auch immer wieder Rückschläge.
Dania, 6, noch vor ein paar Monaten das „enfant terrible“ des Zirkus, ist heute einer der begeisterten Artisten. Nach dem Tod seiner drogenabhängigen Mutter kam er in ein Kinderheim, wo momentan Adoptiveltern für ihn gesucht werden. Falls er danach nicht weiter zum Training gehen kann, würde eine Welt für ihn zusammen brechen. Dania verzichtet auf sein Abendessen und nimmt täglich 3h Weg in Kauf um beim Zirkus mitmachen zu können.
Igor, 14, ist neu beim Zirkus und hat sich noch gar nicht integriert. Beim Training stellt er sich ungeschickt an und prügelt sich immer wieder mit den anderen Kindern. Phasenweise taucht er gar nicht beim Zirkus auf. Zusammen mit drei Geschwistern, dem Stiefvater und einer alkoholabhängigen Mutter wohnt er in einem Zimmer einer Sozialwoh- nung. Er hat am ganzen Körper Ausschläge, die auf eine psychologische Stresssituation hindeuten.
Mischa, 21, ist seit 10 Jahren beim Zirkus und hat die Reintegration erfolgreich geschafft. Er war einer der schwieri- geren Fälle, schnüffelte Leim und hatte immer wieder Rückfälle. Heute ist er verantwortlich für das neuste Projekt des Zirkus: „Kinder hinter Gittern“. Er trainiert straffällige Jugendliche einer geschlossenen Anstalt, mit der Absicht, diese nach ihrer Entlassung in die Aktivitäten des Zirkus einzubinden.
Die erfahrende Clownin arbeitet mit den Jugendlichen und führt sie in ihre Welt der Clownerie ein. Daneben hilft sie bei den Vorbereitungen zur Tournee und vermittelt Kontakte in der Schweiz. Wie wirken sich kulturelle und sprachli- che Differenzen auf die Zusammenarbeit aus? Greift die nonverbale Kommunikation, die Gardis Vorstellungen aus- zeichnen, auch diesem Kontext? Im Speziellen verfolgen wir die Beziehung zwischen Gardi und Dania.
Als Belohnung für die harte Arbeit dürfen 8 Kinder auf die Tournee mitfahren. Viele waren noch nie ausserhalb von St. Petersburg und werden hier eine ganz andere Kultur kennen lernen. Wie erleben sie den „Kulturschock“ in der Schweiz, die Begegnung mit anderen Kindern und die Zirkusvorstellungen? Wir begleiten sie auf ihrer Entdeckungsreise auf und hinter der Bühne.
Doc, 52 Minuten, HD 16:9
Aufnahmeorte Schweiz / Russland
von Verena Endtner
ALOCO GmbH